Bondage und Sadomaso

Kleine Geschichtskunde zu Bondage und Sadomaso

Bondage und Sadomaso Praktiken haben nicht erst seit dem riesigen Erfolg der Shades of Grey Buchreihe weltweit eine große Gemeinde von Anhängern.

Erste Aufzeichnungen aus dem 9. Jahrhundert zufolge soll es schon bei den alten Griechen sadomasochistische Praktiken gegeben haben.
Aber schon in anthropologischen Anekdoten ist niedergeschrieben, das bereits im 3. und 4. Jahrhundert Menschen zur sexuellen Erregung gefesselt und gepeitscht wurden.

Auch das Kamasutra, das bekannteste Werk über die körperliche Liebe enthält Passagen, die darauf schließen lassen, dass durch Schmerz sexuelle Befriedigung erlangt werden kann.
In dem indischen Werk wird streng darauf hingewiesen, dass solche Praktiken ausschließlich in gegenseitigem Einverständnis durchgeführt werden dürfen.

Obwohl Bondage und Sadomaso in der Öffentlichkeit meisten zusammengefasst als BDSM genannt werden, gibt es dennoch klare Abgrenzungen der beiden Spielarten.

Sadomaso

Im Sadomasochismus , kurz SM oder in der Szene auch Ledersex oder Kinky Sex genannt, ist das Ziel Erregung oder auch einen Orgasmus durch Zufügen oder Erleben von Schmerz und/oder Demütigung zu erreichen.
Der Begriff BDSM setzt sich zusammen aus den Begriffen:
Bondage & Discipline, Dominance & Submission sowie Sadism & Masochism.
Die jeweilige Vorliebe wird dann Sadismus (beim Wunsch einem anderen Schmerzen zuzufügen) oder Masochismus (hier das Gegenteil: es sollen dem Masochist Schmerzen zugefügt werden) genannt.
Beide sexuellen Vorlieben können ganz unabhängig von Alter, Geschlecht und sexueller Orientierung auftreten.

Der wohl bekannteste Vertreter des sexuellen Sadismus ist der der Franzose Donatien-Alphonse Francois, Marquis de Sade, der auch Namensgeber des Sadismuses ist.
Nachdem mehrere Prostituierten den adligen Franzosen beschuldigten ,sie mit Peitschenhieben und erzwungenen Analverkehr gepeinigt zu haben, wurde Marquis de Sade angeklagt und verurteilt.
Die literarischen Werke des Adeligen gelten bis heute nicht nur in der BDSM Szene als unumstrittene Werke.

Sadismus wird häufig in Kombination mit weiteren BDSM Praktiken angewandt, die Grenzen sind hier schwimmend.

Bondage

Bondage gilt als die Kunst der Fesselung, wobei der Begriff Bondage aus dem englischen stammend so viel wie Knechtschaft oder auch Unfreiheit bedeutet.
Der Begriff Bondage gilt heute offiziell als Bezeichnung für Fesselspiele aller Art, wobei der lateinische Begriff Vincilagnia (ich fessele) die tatsächliche Erregbarkeit durch Fesselung bedeutet.

Bondage außerhalb der Szene

Bondage ist weltweit sehr verbreitet und auch über die Szene hinaus landläufig bekannt.
In zahlreichen literarischen Werken sind Auszüge die auf Bondage hinweisen, zu finden.
Selbst im Nibelungenlied gibt es Hinweise dass Bondage in der Hochzeitsnacht von Brunhilde und König Gunther praktiziert wurde.
Zuletzt erlebte die Bondage und SM Szene einen regelrechten Boom, als die Protagonisten der Buchreihe „Shades of Grey“ in ausschweifenden SM und Bondage Orgien ihrer Lust freien Lauf ließen.

Viele Filme, die für ein großes Publikum geschaffen wurden, behandeln Themen wir SM und Bondage, darunter der sehr erfolgreiche Film „Secretary“, der die spezielle Beziehung eines sadomasochistisch veranlagten Paar behandelt.

Aber auch schon im Jahre 1967 spielte Catherine Deneuve eine Frau, die sich ihren Träumen von Unterwerfung, Fesselung und Gewalt hingibt.

Auf dem Markt von pornografischen Filmen gibt es unzählige Filme, die Themen wie Bondage und SM behandeln.

Im vielfach prämierten Kultfilm Pulp Fiction von Regisseur Quentin Tarantino treffen Bruce Willis und Ving Rhames in ihren Filmrollen auf einen im Bondagestil gefesselten Sexsklaven namens Hinkebeim (im englischen Original „The Gimp“). Der im ledernen Ganzkörperanzug dargestellte Sexsklave wurde aufgrund der Bekanntheit des FIlms vielfach filmisch kopiert und parodiert.

Auch in der Kunst spielt Bondage eine große Rolle.
So gibt es gerade im asiatischen Raum, wo Bondage äußerst beliebt ist, eine Vielzahl von Gemälden, Fotografien und Grafiken die vor allem gefesselte Frauen darstellt.

Bühnenoutfits sowie Kostüme in Musikvideos von Künstlern wie Depeche Mode, Madonna oder die Ärzte machten Bondage auch in der Musikwelt berühmt und nahezu gesellschaftsfähig.
Die australische Sängerin Gabriella Cilmi ließ im Videoclip zu ihrem Hit „Sweet about me“ ihre Musiker mit Hilfe von diversen Mitteln fesseln.

Bereits in der Herbst/Winter Kollektion des Jahres 1992 entwarf der Modedesigners Gianni Versace eine von Bondage inspirierte Mode.
Die hauptsächlich aus Leder entworfene Mode soll die Unabhängigkeit von Frauen unterstreichen, was dem Konzept von Bondage im Grunde gegensätzlich entgegensteht.
Seinerzeit wurden die entworfenen Kleider, die mit zahlreichen Ringen und Ketten verziert waren, stark diskutiert.
Aber auch heute noch entwirft das Modehaus Versace noch Kollektionen die der damals umstrittenen Kollektion ähnlich sind. Zu dem prominentesten Trägerinnen zählen neben Lady Gaga auch die kontroverse Miley Cyrus, Schauspielerin Halle Berry und Justin Biebers On/Off Freundin Selena Gomez.
Bis heute ist Bondage aus der Mode nicht wegzudenken. Gerade in der Black Metal oder Gothic Szene findet man häufig Kleidung, die stark an Accessoires aus dem Sadomaso Bereich erinnern. Lack und Leder, Ringe, Ketten und Korsetts findet man bei Anhängern dieser Kultur immer wieder.

Die Techniken

Bondage wird häufig nur in Verbindung mit anderen Techniken aus dem Umfeld von BDSM praktiziert.
Hierbei unterscheidet man die beteiligten Partner als Bottom (der Gefesselte) und Top( der aktive Part, der fesselt).
Dabei spielt es keine Rolle ob der Bottom durch einen weiblichen oder männlichen Part ausgeübt wird. Auch können hin und wieder die Rollen getauscht werden. Jedoch wird üblicherweise innerhalb einer Session die Rolle beibehalten. Tauschen Bottom und Top gelegentlich die Rollen, so wird dieser Vorgang als Switch bezeichnet.
Absolutes Vertrauen zwischen Top und Bottom sind absolute Grundbedingung für eine sichere und befriedigende Bondage-Session.
Da Bondage in allen Gesellschaftsformen vertreten ist und aus der Schmuddel-Ecke heraus gekrochen ist, gibt es in vielen Städten mittlerweile Kurse in denen die Grundtechniken sowie Tipps und Tricks rund um die fesselnde Liebeskunst gelehrt werden (Kosten betragen um die 200 Euro für einen Wochenendkurs).

Der Bottom gibt bei Bondagepraktiken seine Gleichberechtigung sowie seine Kontrolle an den Top ab.
Szenetypisch wird dieser Vorgang als Power Exchange bezeichnet. Der Austausch von Macht und Kontrolle im Bondagebereich findet generell nur im gegenseitigem Einverständnis statt. Für Notfälle wird im Vornherein ein Codewort ausgemacht, dass einmal ausgesprochen, den Ablauf der Bondagesession beendet. Auf deutschen SM Parties gilt das Wort „Mayday“ als offizielles Codewort, dass das Liebesspiel sofort enden lässt.

Bondage Techniken lassen sich generell in sechs Hauptkategorien unterscheiden:

– Das Spreizen des Körpers indem die Extremitäten auseinandergespreizt festgebunden wird. Dies geschieht oftmals an einem speziellen Andreaskreuz oder mithilfe eine Spreizstange

– Durch zusammenbinden von Händen, Beinen mithilfe von Seilen, Handschellen oder mit speziellen Handschuhen

– Durch einpacken/einwickeln des Körpers mithilfe von Folie, Stoff, sogenannten Bodybags oder auch Klebeband. Zum Teil werden zum Verpacken des Körpers auch Vakuumbetten oder Fesselsäcke verwendet. Vakuumbetten finden meist in Verbindung mit Gummifetischen anklang, da durch das Material und die geringe Bewegungsfreiheit extreme sensorische Empfindungen erzeugt werden können.

– beim sogenannten suspension Bondage wird der Körper mithilfe von speziellen Aufhängungen an der Wand befestigt. Suspension Bonda wird auch als Hängebondage bezeichnet.

– Durch ein Korsett oder einen Fesselrock kann die allgemeine Bewegungsfreiheit eingeschränkt werden. Da Korsetts auch in der Öffentlichkeit getragen werden können, wird das Kleidungsstück häufig bei BDSM außerhalb der eigenen vier Wände eingesetzt.

– Beim festbinden an Gegenstände wie Stühle, Tische, Andreaskreuze oder Türen kann mit der richtigen Technik auch große Erregung erreicht werden.
Allerdings muss man hier viel Wert auf Sicherheit legen, denn es kann hier leicht zu tödlichen Unfällen (Ersticken) kommen.

Techniken mit dem Seil

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Das Seil gilt als wichtigstes Accessoire im Bondage. Da es vielfältige Möglichkeiten in der Verwendung und leicht erhältlich ist, erfreuen sich Seiltechniken bei vielen Tops und Bottoms großer Beliebtheit.

– Beim sogenannten weaving (vom englischen Wort für weben) wird das Seil in zwei Schritten an den untergebenen Partner angebracht. Ein erstes Seil wird zik-zak-förmig am Körper angelegt, ein zweites Seil wird daraufhin mit dem ersten Seil verwoben.
Diese Technik ist äußerst kompliziert, erfordert Geschick und etwas Übung und daher für Bondage-Anfänger nur bedingt geeignet.

– Den Partner an Gegenständen wie etwa einem Stuhl, Tischbein oder Pfahl zu fesseln geht am leichtesten mit einem einfachen Wickelbondage. Hier wird Seil einfach mit Körper und Gegenstand verbunden.

-Die Einseltechnik dient zur zweckmäßigen Fesselung, wobei im Gegenzug eine Mehrseiltechnik oft zur ästhetischen Fesselung dient.

-Der Frogtie erfreut sich in der Szene großer Beliebtheit. Hier werden der untergebenen Person die Füße nah an den Oberschenkeln gebunden, die Arme werden auf dem Rücken zusammen gebunden.
Der Bottom ist in seiner Bewegung sehr eingeschränkt, jedoch nicht komplett bewegungsunfähig. Der Gefesselte erinnert in dieser Position an einen hockenden Frosch, was dem Frogtie aus der englischen Begrifflichkeit seinen Namen gibt.
Der Frogtie wird gerne angewandt wenn das Fesseln als Teil eines Vorspiels zum Geschlechtsverkehr dienen soll.

– Der englische Begriff Hogtie steht seinem Ursprung nach folgend eigentlich für die Fesselung von Nutztier. Jedoch findet der Hogtie (aus dem englischen Hog = Schwein, to tie = fesseln/zusammen binden) nicht nur in der Tierhaltung seinen Nutzen. Neben der Verwendung im Polizeibehördlichen Bereichen (Gefangene werden durch den Hogtie bewegungsunfähig gemacht), ist das Zusammenbinden von Händen mit den Füßen in der Szene sehr beliebt.
Dem passiven Partner werden hier, während er in Bauchlage liegt, Hände und Füße hinter dem Rücken zusammengebunden. Hierbei können Handschellen und Fußfesseln miteinander kombiniert werden, sowie spezielle Fesseln angelegt werden.
Eine Fesselung des Kopfes mit Hilfe von Knebeln, Kopfharness oder anderweitigen Hilfsmitteln kann den Partner im Hogtie noch demütiger auftreten lassen.
Mit Hilfe von vertikalen Seilen kann der Hogite auch in knieender Position ausgeführt werden um die sexuellen Zonen des Körpers leichter erreichen zu können.
Eine sehr erotische Form der Fesselung ist das crotch rope (zu deutsch: Schrittseil) , bei dem ein Seil zwischen die beiden Labien gezogen wird und so durch Druck sexuelle Reizung ausüben kann.
Das Strappado ist ebenfalls eine gängige Bondagekunst, bei der die Handgelenke des Gefesselten hinter seinem Rücken verknotet und diese dann mit Hilfe eines an der Decke hängenden Seils nach Oben gezogen wird. Um gesundheitliche Schäden zu vermeiden, darf der Gefesselte jedoch nur so weit hochgezogen werden, dass er noch mit den Füßen auf dem Boden stehen kann. Um den Effekt noch zu verdoppeln, können beide Füße an einer Spreizstange auseinander gestreckt werden.
Die Kunst der Fesselung wird szenetypisch als „Hofknicks“ bezeichnet.

Eine spezielle Form der Fesselung stammt aus Japan und wird in der Szene als Shibari bezeichnet.
Shibari hat sich aus der militärischen Methode Hoj?jutsu entwickelt. Diese Art der Fesselung wurde schon im Japan des Mittelalters angewandt, um Gefangene oder zum Tode verurteilte bewegungsunfähig zu machen und/oder vorzuführen.
Auch als eine Fesselung bei der sogenannten peinlichen Befragen (Foltermethode aus dem Mittelalter stammend) wurden Angeklagte im Stil von Hoj?jutsu gebunden.
Shibari allerdings wird im heutigen Japan nicht als Methode zur Fixierung betrachtet, sondern hat sich im Laufe der Jahre zu einer regelrechten Kunst entwickelt.
Hier wird der Wert speziell auf die Ästhetik der Fesselung gelegt.
Allerdings kann Shibari auch als Einstieg auf weitere sadomasochistischen Techniken genutzt werden, was in diesem Fall dann wiederum als Kinbaku bezeichnet wird.

In und außerhalb Japans sind unzählige Shibari-Techniken geläufig.
Während einfache Knoten (japanisch: Musibime) für die einfache Fesselung angewendet werden können, werden anspruchsvolle Ganzköperfesselungen für ästethische Zwecke mit dem Ziel die weiblichen Geschlechtsmerkmale zur Geltung zur bringen angewendet, zum Beispiel werden beim Shinju die weiblichen Brüste durch eine spezielle Form des Zusammenbindens hervorgehoben. Als Pendant dazu wird beim Sakurambo das weibliche Genital gefesselt.
Als Tsuri wird eine der Suspension ähnliche Hängefesselung bezeichnet.
Takate Kote Shibari wird die am häufigsten gebräuchliche Fesselung des Oberkörpers genannt, bei dem beide Hände auf dem Rücken zusammengeknotet werden.

Im Gegensatz zu den hier verwendeten Materialien werden im traditionellen japanischen Shibari fast nur Seile aus Jute oder Hand angewendet. Um die Seile vor dem ersten Gebrauch weich zu zu machen, werden sie im Vorfeld geflämmt oder in verschiedenen Ölen getränkt. Hier sollte aber nur mäßig Öl verwendet werden, um das Seil nicht zu rutschig werden zu lassen.
Alternativ können Hanfseile, beziehungsweise Juteseile auch in einem Wäschetrockner getrocknet werden. Durch das Schleudern wird das Material geschmeidig und schürft Hautpartien nicht mehr zu sehr auf. Allerdings darf das Seil nicht länger als maximal 20 Minuten im Wäschetrockner behandelt werden.

Die hier beschriebenen Techniken sind nur einige von vielen Formen, die in der Kunst des Bondage viel Anklang finden und daher sehr beliebte und bekannte Techniken sind. Jede Fixierung des Körpers, sei es mit Seilen, Bändern, Folien oder anderen Materialien stellt jeweils eine Technik des Bondage da.
Zur Fesselung können neben Seilen auch Klebeband (strapazierfähiges Tape), Tücher, Kleidungsstücke (Zwangsjacke, Fesselrock, Strumpfhose, Gürtel, Korsett, Krawatte, etc), Bodybags, Folien, Kabelbinder, Ketten und verschiedene Schellen benutzt werden.

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