Der Vibrator und das Dilemma der moderenen Frau

In unserer modernen Leistungsgesellschaft nimmt Arbeit, Karriere und vor allem das allseits erwartete Funktionieren einen deutlich größeren Raum ein, als das seelische und körperliche Wohlbefinden. Aber nicht nur der Stress im Job ist teilweise extrem, sondern auch der Stress in der Freizeit. Frauen müssen neuerdings nämlich an zwei, wenn nicht sogar an drei Fronten kämpfen: Neben dem nahezu erwarteten Erfolg im Beruf ist es scheinbar ebenso unerlässlich, darüber hinaus noch strahlend schön, vital und vor allem sportlich fit zu sein. Eine gute Figur gepaart mit dem entsprechenden Oufit ist das Aushängeschild und der Gradmesser einer modernen Frau. Darüber hinaus müssen die, die sich dazu entscheiden, auch noch als Mütter allzeit ihren Pflichten nachkommen. Leider kommen das körperliche Wohlbefinden da oftmals zu kurz. Insbesondere das Wohlbefinden in ganz bestimmten und vor allem ganz intimen Zonen verkümmert oftmals zu einem vernachlässigten und wenig gegossenen Pflänzchen. Selbst denjenigen, die sich in einer eigentlich funktionierenden Partnerschaft befinden, wird nicht ständig das Glück ausgeprägter sexueller Befriedigung zuteil. Das liegt nicht unbedingt nur an den Männern. Menschen sind nun mal keine Maschinen, die gerade dann und gerade so funktionieren, wie wir das eben gerne hätten. An dieser Stelle jedoch winkt Abhilfe in Form eben einer „Maschine“. Frauen, die sich ihrer Lust bewusst sind und diese auch aktiv ausleben wollen, finden hier oft ein Instrument, das ihnen völlig unabhängig von äußeren Faktoren eine kleine Nische der Lust bieten können: Den Vibrator.

Der Dildo als normaler Gebrauchsgegenstand

Der Vibrator als solcher ist sicherlich nicht neu. Vorläufer der heute gebräuchlichen Geräte wurden bereits im 19. Jahrhundert erfunden. Damals galten sie jedoch noch als medizinische Skurilitäten. Heutzutage ist die Verbreitung und der gesellschaftliche Umgang mit Vibratoren deutlich entspannter. Während in der Vergangenheit Frauen, die einen Dildo ihr eigen nannten und diesen in entsprechender Reichweite aufbewahrt haben, als verrucht und sexlüstern galten, hat sich diese landläufige Meinung gottseidank revidiert. Das zeigt nicht zuletzt der offensive und nahezu alltägliche Umgang dieser speziellen Sexspielzeuge. Im öffentlichen Leben begegnen wir Werbe- und Informationsmaterial zum Vibrator und machen uns darüber fast genauso wenig Gedanken wie über einen Werbespot zum Thema Rheumasalbe. Im Gesamtkontext wid der Vibrator von der überwiegenden Mehrheit eher als Welnness-Gegenstand betrachtet wie etwa ein Massageduschkopf auch. Ebenso, wie es Tupper-Partys und Dessous-Partys gibt, gelten so genannte Dildo-Partys längst nicht mehr als unsittliche Veranstaltungen, die eher in die Schmuddel- oder Pornografie-Ecke gehören. Der Begriff Vibrator weckt allenfalls frivole Aufmerksamkeit bei pubertierenden Jungs, die breits bei dem Aussprechen von Worten wie Dildo oder Kondom latente sexuelle Erregung verspüren. Einen Vibrator zu besitzen und anzuwenden, ist nahezu genauso selbstverständlich, wie der Gebrauch eines Kartoffelschälmessers.
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Der Dildo und seine vielseitige Verwendungsform

Auch hinsichtlich seiner Anwendung hat der Vibrator einen enormen Imagewandel vollzogen. Während er, wie bereits angedeutet, in (gottseidank) vergangenen Tagen eher ein Utensil böser Mädchen war, ist er in diesen Tagen in den Nachttischschubladen der meisten modernen Frauen zu finden. Auch, wenn vielleicht eine öffentliche Befragung etwas anderes ergäbe, so sprechen die Verkaufszahlen doch dafür, daß auch das schüchterne Liesschen Müller eine Version des kleinen Freudenspenderleins ihr eigen nennt. So ist ein Vibrator über seine ursprüngliche Funktion, nämlich dem weiblichen Vergnügen in einsamen Stunden hinaus durchaus auch beliebtes Zusatz-Utensil für die erotischen Erlebnisse zu zweit geworden. Das liegt zum Einen an der sowohl bei Frauen als auch bei Männern stets vorhandenen Lust, auf dem Gebiet der Erotik auch neue Pfade zu beschreiten, zum anderen aber auch an der schlichten Tatsache, daß Männer halt anatomisch limitiert sind – zumindest, was den Penis betrifft. Die Natur hat es wie wir wissen so eingerichtet, daß eine Frau auf mehreren Wegen und vor allem an mehr als nur einer Stelle sexuell stimuliert werden kann. Auch, wenn der Partner, oder die Partnerin die Hände und Finger zur Hilfe nehmen kann, so ist ein Vibrator als zusätzliches Hilfsmittel durchaus geeignet und bei vielen willkommen. Denn die Anwendung eines Dildos kann dem lernwilligen Mann durchaus Hilfestellung bieten, wie seine Partnerin am besten zu stimulieren ist. Das soll nicht bedeuten, daß ein Vibrator das Gespräch zwischen den Partnern ersetzen soll oder kann, jedoch ist das Erlebte und Beobachtete zu Lernzwecken durchaus nicht zu vernachlässigen. Ein Vibrator kann zudem in einer vertrauensvollen Partnerschaft durch gemeinsames Experimentieren sogar noch zum Gespräch anregen. Aber auch hier soll klar gestellt sein, daß ein Vibrator kein Sexualtherapeut ist. Ein Vibrator kann lediglich in diesem Zusammenhang als Hilfsmittel dienen. Ein Vibrator ist daher nicht ausschließlich dazu da, einen weiblichen Orgasmus zu produzieren. Auch, wenn das der Grundgedanke hinter diesem Gerät war, so ist ein Vibrator für viele Frauen ein simples Massagegerät, auch ohne einen sexuellen Höhepunkt zu verursachen.

Der Markt bietet nahezu alles

Ebenso,wie jede Frau eine individuelle Persönlichkeit ist, ist sie auch anatomisch, genauso wie ihre körperlichen und sexuellen Bedürfnisse einzigartig. Darüber hinaus besteht gerade auch in der Lust der Bedarf nach Abwechslung. Um diesen Bedarf zu befriedigen, gibt es nicht nur die Art von Vibrator, die sich allenfalls hinsichtlich der Abmessungen von anderen unterscheidet. Ein Vibrator, der ausschließlich in Form und Funktion als Penisimitat dient, mag der einen Frau ausreichen, der anderen jedoch noch lange nicht. Daher gibt es auf diesem Markt eigentlich nichts, was es nicht gibt. Neben den erwähnten Abmessungen unterscheidet sich ein Vibrator vom anderen durch eine Vielzahl an Formen und Funktionen. Neben der reinen inneren Stimulation ist der Vibrator mit klitoraler Zusatzfunktion wohl der bekannteste. Hinsichtlich der Vibrationsstärke findet auch jede Frau einen Vibrator, der ihre ganz ureigenen Bedürfnisse befriedigen kann. Daneben gibt es auch den Vibrator, dessen Form eindeutig auf eine anale Zusatzfunktion schließen läßt. Darüber hinaus hat der eine oder andere Vibrator eine Form, deren Funktion sich dem Betrachter auf den ersten Blick nicht erschließt. Mehrfach gebogene und mit Verformungen versehene Geräte sind daher wohl nur durch praktische Anwendung auf Tauglichkeit hin zu überprüfen. So genannte Testergebnisse helfen da höchstwahrscheinlich weniger. Wie bei anderen Geräten des regelmäßigen Gebrauchs auch, wird Frau wohl nicht darum herum kommen, ihre eigenen Erfahrungen mit dem jeweiligen Vibrator zu machen. Bei den Preisen herkömmlicher Vibratoren sind die damit verbundenen Kosten jedoch wohl zu verschmerzen. Aber hinsichtlich der Erfahrung mit einem Vibrator, dessen Form vielleicht ungewöhnlich erscheinen mag, kann die Anwenderin aber durchaus eine positive Überraschung erleben. Hinsichtlich des optischen Designs sei nur so viel gesagt: Auch hier gibt es nichts, was es nicht gibt. Über den klassisch geformten und vielleicht auch farblich an einen Penis erinnernden Vibrator bis hin zu gläsernen oder neonfarbenen Vollgummi-Ausführungen, um nur einige zu nennen, ist wahrscheinlich jeder Geschmack bedient.

Kein Zeichen von Misserfolg

Jede Frau hat es verdient, sexuelle Lust zu verspüren und diese befriedigen zu können. Egal in welchem Alter sich eine Dame befindet, nicht immer genau dann ein Partner oder eine Partnerin zur Stelle, der oder die dieses Verlangen zu stillen in der Lage ist. Ein Verzicht auf sexuelle Befriedigung ist nicht nur unnötig, sondern auch nicht sinnvoll. Ein Vibrator ist daher kein Tröster einsamer Frauen, die auf anderem Wege keine Sexualität mehr erleben, sondern ein Ausdruck von Stärke und Selbstbewusstsein. Ein Vibrator ist ein Zeichen dafür, daß eine Frau auch im intimsten Bereich ihres Lebens unabhängig und stark ist.

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