Gleitmittel – alles Wissenswerte

Bei den Begriffen Gleitmittel, Gleitgel und Gleitcreme kommen vielen Menschen zunächst einmal schlüpfrige Gedanken. Doch haben diese Mittel eigentlich einen medizinischen Hintergrund. Im folgenden sollen die wichtigsten Fragen zum Thema Gleitgel beantwortet werden.

In der Medizin

In der Medizin wird Gleitgel beim Einführen von Endoskopen, Magensonden, Blasenkathetern, Endotrachealtuben bei der Intubation, Untersuchungsgeräten bei der Rektoskopie oder Ultraschallköpfen in den Körper genutzt. Dabei werden die Geräte durch natürliche Körperöffnungen eingeführt, um Hautirritationen möglichst gering zu halten. In diesen Fällen wird medizinisches Gleitgel verwendet, welches einen Zusatz an Desinfektionsmitteln oder Lokalanästhetika enthält.

Gleitmittel – für den reibungslosen, sexuellen Verkehr

Natürlich wird Gleitgel der landläufigen Meinung entsprechend beim Geschlechtsakt eingesetzt. Und das nicht nur in schwulen Beziehungen oder von Frauen, die unter Scheidentrockenheit leiden, sondern in jeder dritten heterosexuellen Beziehung. Mit rund 4 Cent pro Gramm lässt sich nämlich das Sexleben weitaus „reibungsloser“ und damit angenehmer gestalten.

Unterschiedliche Gleitmittel

Grundsätzlich wird bei den Gleitmitteln zwischen Gleitgel, Gleitcreme, Gleitöl und Silikongleitmitteln unterschieden. Welches Gleitmittel verwendet werden kann, hängt von der jeweiligen Sexualpraktik bzw. des Anwendungsgebietes ab. So können nicht alle Gleitmittel beim Sex mit Kondom eingesetzt werden, da die Gefahr besteht, dass das Kondom beschädigt wird.
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Auf Wasserbasis

Die gängigste Variante bildet das Gleitgel auf Wasserbasis, welches zum größten Teil aus Glycerin, entmineralisiertem Wasser und Verdickungsmitteln besteht. Dieses Gleitgel hat den Vorzug, dass es allgemein sehr gut verträglich ist. In Sachen Gleitfähigkeit zeigt sich das Gleitgel auf Wasserbasis anfangs sehr gut, lässt allerdings relativ rasch nach. Frauen mit vaginaler Trockenheit sollten daher auf andere Gleitmittel zurückgreifen, um ein ausdauerndes Liebesspiel nicht ständig unterbrechen zu müssen. Mit Kondomen und Sexspielzeugen verträgt sich das wasserbasierte Gleitgel besonders gut, so dass der Latex bzw. die Oberfläche des Sextoys nicht angegriffen wird.

Auf Silikonbasis

Eine Art Film auf der Haut sorgt für eine längere Gleitfähigkeit bei Gleitgel auf Silikonbasis. Gesundheitlich sind diese Gleitgels unbedenklich, da das Silikon nicht über die Schleimhäute eindringt. Aufgrund der längeren Gleitfähigkeitszeit eignet sich ein Gleitgel auf Silikonbasis besonders für lange Schäferstündchen und für den Analverkehr. Im Gegensatz zu Gleitgel auf Wasserbasis können Gleitgels auf Silikonbasis allerdings nicht einfach abgespült werden, sondern müssen nach dem Akt mit Seife entfernt werden. Da sich auch Silikon mit Latex verträgt, ist eine sichere Verwendung von Kondomen auch hier möglich. Sexspielzeug aus Silikon sollte allerdings nicht verwendet werden, da sich in diesem Fall gleich und gleich nicht gern gesellt.

Die Alternative – Gleitöl

Gleitöl wird vor allem aus pflanzlichen Ölen mit oder ohne Zusatz von ätherischen Ölen hergestellt. Dazu zählen beispielsweise normales Babyöl und Vaseline. Bei dieser Art von Gleitmittel liegt der Vorteil vor allem in der langen Haftung beim Geschlechtsverkehr. Zudem werden im Nebeneffekt gleich die Intimhäute gepflegt. Allerdings können öl- und fetthaltige Gleitmittel nicht mit normalen Kondomen genutzt werden, da sich das Latex auflösen und das Kondom damit zerstört würde. Einzig spezielle Polyurethan-Kondome, die von auf Latex allergischen Personen verwendet werden, sind gegen die ölhaltigen Substanzen unempfindlich.

Welches ist das Beste?

Ein bestes Gleitmittel gibt es definitiv nicht. Die Entscheidung, ob man Gleitgel, Gleitcreme oder Gleitöl bevorzugt, hängt einzig von der eigenen Vorliebe ab. Um heraus zu finden, welche Gleitmittel den eigenen Bedürfnissen am nächsten kommt, sollte man einfach durchprobieren. Bei unbekannten Marken sollte allerdings auf den Aufdruck „dermatologisch getestet“ geachtet werden, um möglichst Hautreaktionen zu vermeiden. Allergiker sollten sich die Inhaltsstoffliste genau ansehen, ganz gleich welches Mittel gewählt wird.

Wieso überhaupt Gleitmittel benutzen?

Eigentlich dient das Gleitgel nur einem einzigen Zweck: der Sex soll für alle Beteiligten schmerzfrei und lustvoll gestaltet werden. Hat eine Frau eine zu trockene Scheide, so kann eine Penetration durch den männlichen Penis oder ein Sexspielzeug durchaus unangenehm werden. Entsprechend verkrampft sich die Frau und Schluss ist mit der Lust. Ein Gleitgel wirkt wie ein Schmierstoff, der das Eindringen des Penises deutlich erleichtert und die Reibung mindert. Schließlich wird nicht jede Frau in kürzester Zeit feucht genug. Insbesondere bei spontanen Quikies nicht. Daher ist die Zuhilfenahme eines Gleitgels sinnvoll.

Beim Analverkehr

Der Analverkehr ist ein wichtiges Anwendungsgebiet für Gleitgel. Schließlich erfolgt hier nicht wie bei der Scheide eine natürliche Schmierung. Ungeschmiert können beide Parteien das Eindringen mitunter als schmerzhaft empfinden und kleinere Verletzungen sind ebenfalls nicht auszuschließen. Daher sollte auch dringend von der Verwendung medizinischer Gleitmittel mit Lokalanästhetika abgeraten werden, da die Betäubung das Verletzungsrisiko noch erhöht.

Wie anwenden?

Ein Gleitgel auf Wasserbasis sollte möglichst zeitnah zum eigentliche Geschlechtsakt aufgetragen werden, da es relativ schnell eintrocknet. Silikonbasierte Gleitgele und Gleitöle stellen hingegen niemanden unter Zeitdruck. Das Gleitgel sollte idealerweise auf beiden zum Einsatz kommenden Geschlechtsteilen, also sowohl auf der Vagina bzw. dem Anus als auch auf dem Penis aufgetragen und etwas verrieben werden.

Gleitmittel für jedermann und -frau

Mittlerweile ist die Verwendung von Gleitcreme oder -gel keinesfalls mehr eine Frage des Alters. Gleitmittel stehen sowohl bei der älteren Generation als auch bei jungen Leuten hoch im Kurs. Ob einfach nur Forscherdrang oder medizinisch ratsam – Gleitmittel peppen das Sexualleben auf. Traut man sich nicht so recht in der Apotheke oder der Drogerie nach einem Gleitmittel zu fragen, so kann es heutzutage relativ anonym und unpersönlich im Internet erstanden werden. Peinlich braucht es niemandem mehr zu sein, ein Gleitmittel zu benutzen und sich so ein paar noch schönere Stunden zu sichern.

Gleitmittel sind ja nun auch nichts Neues mehr am Markt. Schon vor mehr als 80 Jahren konnte man die ersten Werbungen entdecken. Der Hersteller Durex beispielsweise weist noch heute auf seine 80 Jahre dauernde Erfahrung hin. Er wirbt mit „Qualität, auf die Du Dich verlassen kannst“ nicht nur für die Produktlinie der Kondome, sondern auch für Gleitmittel jeglicher Art, welche unter der Produktbezeichnung „Play“ auf dem Markt sind. Ebenfalls ein Klassiker sind die Gleitmittel von Flutschi aus dem Hause der Erotikfirma Orion. Auf Wunsch bekommen die Käufer hier sogar Erdbeergeschmack nach Hause geliefert. Grundsätzlich ist die Bandbreite des Gleitgelsortiments sehr groß, so dass jeder ein Produkt, dass seinen ganz persönlichen Ansprüchen gerecht wird, finden kann.

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